Link Yoga

Link Termine

Link Aufsätze

Link Impressionen

Link Kontakt

Link Lageplan

Link Links

Link Impressum

Madhya Nauli

Lehrprobe zur Yogalehrausbildung der GGF

zum Seitenanfang

Überblick

zum Seitenanfang


Allgemeines zum Thema kriya
Kriya, suddhi, sodhana oder karma sind unterschiedliche Ausdrücke für den Begriff "Reinigung"; das Ziel sind Durchlässigkeit, Reinheit und Integration.

Das Konzept der Reinigung hat im Yoga eine bedeutende Schlüsselfunktion. Der gesamte yogische Prozess mit all seinen Prinzipien und Praktiken ist ein einziger Reinigungsweg auf psychophysischer und mentaler Ebene.
Das Konzept der kriyas zeigt Techniken auf, die den inneren Leib reinigen und über diesem Weg zu "citta suddhi" zur geistigen Reinigung führen sollen, indem (willentliche) Selbstkontrolle über die Vorgänge geübt wird.
Man kann davon ausgehen, dass die kriyas einen hohen therapeutischen Wert besitzen. Sie verursachen ein Ansteigen der Produktion der Stoffe, die die Gewebe der inneren Organsysteme bilden, was dazu führt, dass der Zellstoffwechsel angeregt und das Reaktionsvermögen der Organe gesteigert wird.

In der Gheranda Samhita (I/8) wird der menschliche Körper mit einem Tontopf verglichen. So wie das Tongefäß im Feuer gehärtet werden muss, um Wasser halten zu können, so muss auch der menschliche Körper im Feuer des Yoga gereinigt und gefestigt werden.

zum Seitenanfang


Kriya in den traditionellen Texten
Die Gheranda Samhita beschäftigt sich im Kap. I besonders intensiv mit der Reinigung des physischen Körpers = sarira suddhi. Im Kap. I/9-11 finden wir sieben Hilfsmittel, den Körper in einen bestimmten Zustand zu bringen. An erster Stelle steht die Reinigung des Körpers - sodhana.
Es wird von sechs verschiedenen Klassifizierungen der Reinigungsprozesse - satkarmas - (sat = 6) gesprochen (Kap. I/12): dhauti, basti, neti, lauliki (nauli), trataka und kapalabhati.

Kriyas können nach 2 Merkmalen eingeordnet werden:

Art und Weise:

Region:

Die Hathapradipika räumt den kriyas kein eigenes Kapitel ein; hier sind sie im 2. Kapitel unter pranayama aufgeführt. In II/23 werden diese sechs pflegenden Prozesse, die den Körper reinigen und wunderbare Resultate hervorbringen von den Yogis früherer Zeit hoch gepriesen.

In den Yoga-Sutren von Patanjali wird zum Beispiel beschrieben, wie durch pranayama lichtverhüllende Unreinheiten entfernt werden (II/52), also auch hier der Hinweis auf die Wichtigkeit der Reinigung auf psychophysischer und mentaler Ebene.

zum Seitenanfang


Nauli in den klassischen Schriften
Nauli wird in der Gheranda Samhita (nauli = lauliki) und in der Hathapradipika aufgeführt.
GhS (I/51): "Bewege den Bauch schnell von einer Seite zur anderen. Dieses lauliki vertreibt alle Krankheiten und steigert die Körperwärme."
In der Hathapradipika werden genauere Angaben zur Technik gegeben.
HP (II/33+34): "Mit der Schnelligkeit eines raschen Strudels bewege man mit gebeugten Schultern den Unterleib nach links und rechts. Dies wird von den Vollendeten nauli genannt. Nauli, diese Krone der Übungen des Hatha, bringt in Ordnung das Aufflammen eines langsamen Verdauungsfeuers und die weitere Verdauung, schafft Wonne und beseitigt sämtliche Krankheiten der drei humores."

zum Seitenanfang


Was bewirkt die Praxis von nauli?
In unserem bewegungsarmen Alltag mit falschen Ernährungsgewohnheiten und steigendem Missbrauch von Genussmitteln sammeln sich im Organismus gehäuft Abfallprodukte an. Zu den stärksten Verunreinigungen des Körpers zählt die Verstopfung des Darms. Hier ist das tägliche Praktizieren von nauli eine große Hilfe.
Durch die Druckverhältnisse bei uddiyana und nauli wird die Tätigkeit der Bauchorgane optimal angeregt. Durch den starken Unterdruck in allen Höhlen des Bauchraumes entsteht eine Darmmassage, die durch die drastischen Drehungen der glatten Muskulatur der Darmwand stimulierend auf die Peristaltik Einfluss nimmt.
Nauli reinigt und kräftigt den gesamten Verdauungsapparat, Nieren, Leber, Bauchspeicheldrüse und Milz eingeschlossen. Verstopfungen werden beseitigt und der Appetit angeregt. Die Blutzirkulation im Bauchraum erhöht sich. Die Bauchmuskulatur wird gestärkt und ein Gefühl von Wohlsein breitet sich im ganzen Körper aus.

Die Praxis von nauli sollte achtsam, bzw. nicht ausgeführt werden bei:

zum Seitenanfang


Technik
Nauli besteht aus zwei Praktiken: aus uddiyana und nauli. Man muss also zunächst in der Lage sein, uddiyana praktizieren und halten zu können, bevor mit der Praxis von nauli begonnen werden kann.
Uddiyana und nauli können stehend und sitzend praktiziert werden, wobei die stehende Position einfacher ist.
Bei nauli handelt es sich um die bewusste, differenzierte Anspannung isolierter Anteile der geraden Bauchmuskeln (Rectimuskeln), also um eine ungemein komplexe Technik, die mit viel Geduld und Ausdauer in mehreren Stufen erlernt werden kann.

In dieser Stunde möchte ich mich auf das Einführen von madhya nauli (mittleres nauli) beschränken.

zum Seitenanfang


Stundengestaltung
1. Einkehr in die Stille 2. Mantra - Rezitation

3. Erläuterungen zum theoretischen Verständnis von kriya

4. vorbereitende Übungen:

4.1. parvatasana 4.2. kapalabhati 4.3. uddiyana bandha 5. theoretische und praktische Einführung von madhya nauli

6. eigene Demonstration

7. Praktizieren der Gruppe; ggf. auch paarweise üben und Raum für evtl. Fragen der Teilnehmer lassen

8. Ausgleich

          savasana

9. meditativer Ausklang der Stunde in der Stille

          yoga-mudra


Wunsch nach 3-fachem Frieden
OM SANTIH SANTIH SANTIH

zum Seitenanfang




Quellen:
Dr. M.L. Gharote: Grundgedanken des Yoga, GGF 1997
Ingrid Kohlhöfer: Satkriyas - Reinigungstechniken im Yoga, GGF
Svatmarama Hathayogapradipika, Olms Verlag 1997
Gheranda Samhita, Hamsah-Verlag, Osnabrück
Deshpande, P.Y., Patanjali - Wurzeln des Yoga, Übersetzung B. Bäumer, O.W. Barth Verlag, Bern 1997
 

Susanne Worms © Januar 2004